HERZTRANSPLANTATION

Umrüstung einer Kreidler Florett GT Zündung auf kontaktlosen Betrieb,
mit dem elektronischem Zündmodul VEC TV E2, von Rolf aus Wetter / Hessen

Kreidlertreff Gießen Im März 2020 gab es einen Hinweis in Jogy´s Kreidlerforum auf ein Angebot im eines Händlers, der in den Niederlanden seinen Sitz hat. Nachdem auch die Kollegen aus den Niederlanden deutlich ihre Begeisterung ausdrückten bestellte ich drei dieser Module und hatte Glück. Direkt danach waren sie wieder – wie so oft – für längere Zeit ausverkauft. Die Kreidlerfreunde im Küstenland sind immer schnell bei der Sache.

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Post aus den Niederlanden: der Karton mit den 3 Zündmodulen.

Kreidlertreff Gießen Nun wollte ich das erste Exemplar mal ausprobieren, habe zunächst mein Zündapp Bergsteiger M50 Moped damit umgerüstet. Das ging mit etwas Gefummel insgesamt recht gut, ein paar Tage später nahm ich mir dann die 67er GT vor.

Kreidlertreff Gießen Also: erst mal Seitenteil ab, Polrad runter und die Zündplatte demontiert – ab damit auf die Werkbank. Auf dem Bild liegt sie links, rechts eine leere Kreidler Grundplatte, die wird jetzt bestückt mit dem VEC Modul anstelle der Zündspule, der Lichtspule, Bremslichtspule und Rücklichtspule. Fertig. Kein Kondensator, keine Zündkontakte mehr! Das Modul reagiert auf den Polschuhabriss, die Elektronik generiert daraufhin den – durchaus kräftigen - Zündfunken.

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Links die Original Spule, rechts die VEC

Kreidlertreff Gießen Das rote Kabel ist das Absteller-Kabel. Es hat einen kleinen Stecker, den ich abgeknipst hab, weil es verlängert werden muss. Im Original am Moped ist es schwarz, also schwarzes Kabel drangelötet und gelben Schrumpfschlauch über die Lötstelle geschoben.

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Links die neu bestückte Grundplatte, rechts die originale GT Grundplatte mit Kontakten und Kondensator.

Kreidlertreff Gießen So jetzt wieder ran ans Zweirad…… die neu bestückte Grundplatte wird zunächst mittig in den Schraubenlöchern ausgerichtet - so die Anleitung nach Hersteller VEC-Ignitions - und angeschraubt. Dann kommt das Polrad drauf (Halbmond-Scheibenfeder beachten!) und wird festgeschraubt. Ich ermittele zunächst mit der Messuhr den OT und markiere  - sofern nötig – das Polrad. In der Kreidler GT Bedienungsanleitung (Druckversion von 09/1966) steht: 0,9-1,3mm, später hat sich das verändert auf 0,9 bis 1,1mm

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Kreidlertreff Gießen Anschließend hole ich mir die Zündpistole und eine 12V Batterie als Stromquelle und blitze mit Hilfe eines Akkuschraubers mit Linksdrehung die Zündung ab. Dabei nehme ich – nach Herstellervorgabe - eine NGK B8HS mit 0,8mm (!) Kontaktabstand und einen NGK Kerzenstecker mit 5kOhm Widerstand. Natürlich NICHT eingeschraubt, sondern mit Kontakt am Motorgehäuse. Ergebnis: ein starker Zündfunken! Super.

Die Sache mit dem Akkuschrauber und einem Adapter für Steckschlüssel-Nüsse (meist eine 17er Nuss) im Bohrfutter ist deshalb genial, weil man sogar schon auf der Werkbank die Zündung einrichten kann.

Dennoch: das Polrad muss wieder runter, die Grundplatte der Zündung nochmal leicht verdreht werden, um den Zündzeitpunkt nach Früh zu korrigieren. Direkt danach folgt – noch ohne Lüfterrad - ein Motorstart draußen vor der Werkstatt und eine erneute Kontrolle des ZZP mit der Zündlichtpistole.

Kreidlertreff Gießen FERTIG, jetzt alles wieder zusammenbauen und ab geht die erste Probefahrt.

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Zündzeitpunkt-Markierung zum Abblitzen

Kreidlertreff Gießen Verlockend schön ist die hessische Mittelgebirgslandschaft bei knapp über 10 Grad Celsius am letzten Märztag zwischen Marburg und Frankenberg, gleich mal 50 km am Stück bei bester Beschleunigung und bisher nicht gekannter Drehfreudigkeit. Hier wird der Unterschied zu den mechanischen Komponenten überaus deutlich spürbar. Sie zieht am Berg besser und dreht besser als mit den üblichen Bauteilen. Ich will nicht ausschließen, dass ich die mechanische Zündung hätte besser einstellen können, man soll nicht überheblich werden und stets selbstkritisch das eigene Handeln hinterfragen, aber bei aller Erfahrung mit Zweitaktern muss ich gestehen: diese Umbaumaßnahme hat mich nun in der Wirkung überrascht! Ich habe aber auch ein wenig mehr in Richtung Frühzündung eingestellt, das wäre dann auch meine nächste Wartungsarbeit an der mechanischen Zündung gewesen. Aber auf die Umrüstung hier war ich natürlich sehr neugierig. 
Hoffen wir, dass das Bauteil die thermischen Belastungen möglichst lange Zeit überstehen möge und beginnen wir nun mit dem Langzeit-Test auch in dieser Motorvariante der Fa. Kreidler. (Ich setze mich also nun dem Risiko aus, bei einer der Ausfahrten mit dem Kreidlertreff Gießen schandhaft am Straßenrand zu verbleiben und die Schmach der Kollegen ertragen zu müssen…..  sollte das Ding versagen).

Kreidlertreff GießenFlorett GT nach der Ausfahrt im schönen hessischen Mittelgebirge.

Kreidlertreff Gießen Etwas Kritik von mir gibt es am VEC Zündmodul allerdings auch. Das Abstellkabel (rot), das aus dem Vergusselement heraus kommt, sollte man vorsichtig behandeln und möglichst immer im Auge behalten, denn es ist sehr filigran. In der Regel muss es auf dem Weg heraus aus dem Gebläsegehäuse sowieso verlängert werden.
 Das Modul selbst sitzt - wenn man die Kontaktplatte befestigt hat - recht nahe an der Wand zum Kurbelgehäuse. An der Stelle, wo das Zündkabel vom Modul abgeht, ist es sehr eng und man muss drauf achten, dass das Zündkabel richtig fest am Modul verschraubt ist. An dieser Stelle erhält das Kabel einen Knick und es kann im ungünstigen Fall passieren, dass es sich löst.

Kreidlertreff Gießen Das genau ist mir passiert und ich hatte mich gewundert, warum anfänglich beim Dreh mit dem Akkuschrauber ein Zündfunken vorhanden war und nach der Korrektur des ZZP dann plötzlich keiner mehr. Also, Grundplatte nochmal runter und Zündkabel nochmal neu eingeschraubt, dann die Stelle, wo der Knick sich bildet mit dem Heißluftfön erwärmt und schon mal vorgebogen. Die Grundplatte passte dann schön rein.
Das mit dem Zündkabel ist aber auch bei den üblichen schwarzen Zündspulen so mit dem Knick des Zündkabels nach oben. Beim Einbau in die Kreidler Florett GT musste ich dann noch an der eingebauten Grundplatte den Sitz des Moduls und der Lichtspule darauf leicht korrigieren, denn das Polrad sitzt sehr passend auf und der Abstand vom Ferritmagnetband des Polrads zu den Spulen ist sehr eng gehalten. Also: Polrad wieder runter. Dann losdrehen der Halteschrauben von Zündmodul und darüber liegender Bremslichtspule und minimale Verschiebung in den Haltelöchern von Modul und Spule weg von dem Magnetband.

Bei meinem Zündapp Moped war das so nicht nötig gewesen. Jedes Moped ist da anders.

Kreidlertreff Gießen In technischen Bemerkungen bei VEC zu dem Typ TV 2E wird zwar eine Empfehlung für Zündkerzen und Kontaktabstand (0,8mm) angegeben, jedoch KEINE zum Kerzenstecker.


Kreidlertreff Gießen Zündkerzentypen: „Bosna F100, Champion L78, Bosch W4A1, NGK B8HS oder andere mit ähnlichen Eigenschaften“ 
Aktuell habe ich nach Herstellerempfehlung  eine NGK B8HS mit 0,8mm Kontaktabstand und einen NGK Kerzenstecker mit 5kOhm Widerstand eingebaut.

In einem Forum der Niederländer wird ebenfalls ein (entstörter) NGK Kerzenstecker genannt, aber keine Angabe zum Widerstand gemacht.


Nicht mal 200 km hat dieses VCE Zündmodul gehalten.

Kreidlertreff Gießen Heute bin ich - zum Glück nicht so weit weg von zu Hause - stehn geblieben. Kein Zündfunke mehr.
Zu Hause dann entdeckt: An der Gehäuserückwand liegt ja das Zündkabel recht eng an.
Am Anschluss des Zündkabels an das Zündmodul sind deutliche Spuren eines Funkendurchlags zu erkennen, obwohl die Stelle von einer Gummiartigen Kappe geschützt wird.
Ich habe das Zündkabel gelöst, es um ca 2 cm gekürzt und neu verschraubt, die Kappe drüber gezogen und es wieder eingebaut.
Polrad angeschraubt und mit dem Akkuschrauber gedreht. Es gab nur einen sehr schwachen Funken, kein Vergleich mit dem, worüber ich berichtet hatte.
Es ist mir auch nicht gelungen, das Moped zu starten. Ich vermute, das Modul ist im Bereich der internen Elektronik beschädigt.

Kreidlertreff Gießen Direkte Ursache für den Ausfall bei mir war wohl der Funkendurchschlag zur Motor-Gehäusewand hin. Bei den Baujahren ab 68/69 hat Kreidler ein Isolierplättchen eingesetzt. Das war allerdings nicht in der Ersatzteilliste der 67er GT zu finden. Daher hatte ich es auch nicht eingebaut.

Der Puchshop.de als Verkäufer (in Holland!) hat mir das Zündmodul ersetzt. Ich hatte ihnen das defekte zurück geschickt.

Kreidlertreff Gießen Die Gummikappe am Ausgang des Moduls zum Zündkabel ist sehr dünn und wenn in China hergestellt (was ich vermute) dann nicht unbedingt nach den nötigen Spezifikationen gefertigt. Ich hab selbst mal in einem Gummilabor gearbeitet und weiß darüber einiges.

Kreidlertreff Gießen Auf jeden Fall: Sofort, nachdem ich das neue Zündmodul erhielt, habe ich erneut einen Einbau vorgenommen, diesmal mit extra Schrumpfschlauch um diese Stelle und mit dem Isolierplättchen (Kreidler Teile Nr. 15.12.02).

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Isolierplättchen (Kreidler Teile Nr. 15.12.02)

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extra Schrumpfschlauch

Kreidlertreff Gießen Ich bin ja ein experimentierfreudiger Mensch und scheue auch Rückschläge nicht, bleibe auch mal mit dem Moped stehen, wenn es dem Gewinn von Erkenntnissen dienen kann. Nun sind es bereits ca 250km, die ich damit gefahren bin.

Kreidlertreff Gießen Mal sehen, wie es so klappt damit. Auf jeden Fall würde ich erst mal mindestens 1000km damit fahren, bevor ich es empfehlen kann.