Urlaubstour de France

mit Peter und Georg Metzger und Andreas Lüttin

Kreidlertreff Gießen Im Frühjahr 1980 wurde von Andreas Lüttin (17), Georg Metzger (19) und Peter Metzger (17) beschlossen nach dem im vergangenen Jahr hervorragend gelungenen Urlaub am Bodensee / Frickingen nun auf eine wirklich Große Fahrt zu gehen.

Kreidlertreff Gießen Nachdem die Maschinen in der eigenen Kreidler-Werkstatt generalüberholt waren, begab man sich dann auf die Große Fahrt. Zum Glück hat Peter die damaligen Geschehnisse in einem Tagebuch festgehalten sonst wüsste man heute nicht mehr allzu viel.

Kreidlertreff Gießen

Start am Montag, den 18.08.1980

Kreidlertreff Gießen Früh morgens um 8.00Uhr verabschiedeten wir uns von zu Hause und fuhren zuerst nach Bad Säckingen.
Dort begaben wir uns auf die Sparkasse und holten eine größere Summe Geld.
Danach begab man sich in ein Motorradladen und kaufte noch einen neuen Nierengurt. Dann besuchten wir noch unseren Bruder Reinhard im Geschäft und holten seinen Fotoapparat ab.

Kreidlertreff Gießen Nun konnte die damals sensationelle Reise für uns beginnen!
Zuerst fuhren wir nach Rheinfelden wo Andy bei seiner Firma Geld holen musste. Dann ging es weiter nach Basel. Dort überquerten wir den Zoll und fuhren nördlich Richtung Belfort. Von da fuhren wir auf die Autobahn, Richtung Lyon.
Auf der Autobahn wollte natürlich jeder von uns der Schnellste sein. Trotz unserer voll bepackten Maschinen mit den nachgerüsteten Hochlenkern hatten wir das Gefühl, auf hochgezüchteten Rennmaschinen zu sitzen. Da war Peter mit seiner liebevoll und bis in die kleinste Ritze gepflegten Maschine. Dann kam Andy der, nach dem er im April bei einem grässlichen Unfall seine alte Maschine geschrottet hatte, eine fast nagelneue Kreidler fuhr. Und zu guter letzt, Georg mit seiner uralt Kreidler aus dem Jahre 1969. Das es aber gerade diese alte Maschine in sich hatte mussten Peter und Andy während der ganzen Fahrt erfahren. Georg und sein Berthold, so nannte er sein Vehikel, war schlicht weg der Schnellste! Georg hatte wohl den ganzen langen Winter an seinem Geführt geschraubt und getunt bis er es auf diesem beachtlichen Leistungsniveau hatte.
Natürlich waren Peter und Andy leicht sauer, als Georg auf der Autobahn auf und davon fuhr. Da haben die beiden kurzerhand an einem Rastplatz angehalten und sich in die Sonne gelegt. Nach einer Stunde kam dann Georg daher. Als er uns nicht mehr sah, war er bei der nächsten Ausfahrt zurückgefahren. Von da an schauten alle, dass wir zusammen blieben.
In Lyon verließen wir die Autobahn. Wir wollten auf die Nationalstraße Richtung Bordeaux. Auf die Nationalstraße zu kommen war aber nicht so einfach und so haben wir uns hoffnungslos verfahren. Wir haben einen sehr freundlichen Franzosen mit Händen und Füssen nach dem Weg gefragt. Der junge Mann sah schnell ein, dass er uns den Weg so unmöglich beschreiben konnte und so setzte er sich ohne lange zu überlegen in sein 2CV, im Volksmund auch Ente genannt, und chauffierte uns durch halb Lyon bis wir auf dem richtigen Weg waren, nach Clermant-Ferrand.
Als es zu Dämmern begann haben wir kurz nach La-Brevums bei einem alten Bauernhaus angehalten und gefragt, ob wir unser Zelt auf dem Hof aufschlagen dürfen. Natürlich wieder mit Händen und Füssen. überhaupt hatten wir auf der ganzen Fahrt wenig Probleme uns verständlich zu machen. Gerade Georg war in dieser Hinsicht sehr begabt. Man merkte schon, dass er eine Lehre als Einzelhandelskaufmann hinter sich hatte und der geborene Verkäufer war. Der Bauer und seine Frau waren ein altes Ehepaar. Beide waren sehr nett und luden uns zu einem Nachtmahl in ihre einfache Küche ein. Es gab selbstgemachten Käse, Brot und allerlei französische Spezialitäten. Wir konnten zwar kein franzïösisch und unsere Gastgeber kein Wort deutsch, trotzdem unterhielten wir uns blendend miteinander.
Am Morgen bauten wir unser Zelt ab und machten uns auf die Weiterfahrt. Dabei haben wir versäumt unseren freundlichen Gastgebern eine kleine Geldspende zurückzulassen. Wir haben uns im Nachhinein gefragt, ob sie das von uns erwartet haben?

Dienstag, den 19.08.1980

Kreidlertreff Gießen Weiterfahrt nach Clermant-Ferrand dann nach Ussel. Dort musste ich zuerst meine Zündung neu einstellen.
Zum Mittagessen gab es Ravioli und französisches Baguettebrot. Die Ravioli wurde mit Hilfe eines kleinen Gaskochers auf der Straße direkt in der Büchse warm gemacht.
Die Weiterfahrt nach Tulle klappte gut und reibungslos. Nun ging es weiter nach Perigueux. Peter hat im Nahkampf seinen Spiegel zerstört und Georgs Kettenkasten ging kaputt. Weiter ging es nach Libourne und von da nach Bordeaux.
Auf der Nationalstraße haben wir immer versucht, den Windschatten größerer Fahrzeuge zu nutzen. Es muss kurz vor Bordeaux gewesen sein, als wir längere Zeit einem riesigen Lastwagen hinterherfuhren. Der Lastenwagen fuhr wie der Teufel. Unsere Tachos zeigten hundert und mehr an. Und das alles im vollen Windschatten, zwei bis drei Meter hinter dem LKW. Georg setzte zum überholen an, kam aber nur bis zur Mitte des Fahrzeuges. Im nachhinein gesehen war es sehr gefährlich und nicht einmal durch unseren jugendlichen Leichtsinn zu entschuldigen.

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Kreidlertreff Gießen Nachdem wir Bordeaux erreichten ging es auf der Autobahn nach Archachone. In Archachone haben wir zum ersten Mal den Atlantik gesehen. für Andy war es überhaupt das erste Mal, dass er ein Meer mit Salzwasser und allem was dazu gehörte sah.

Es war schon Abend und die Sonne ging unter. Wir fuhren an den Strand, stiegen von unseren Maschinen und liefen in den flach abfallenden Ozean.

Der Atlantik. Endlich. Nach zwei langen Tagen auf dem Rücken unserer Kreidler. Es war ein überwÖltigendes Gefühl.
Spät am Abend lies man sich zur Übernachtung im Hotel Marinette nieder. Nachts Stadtrundgang Großes gelavere und fast den Rückweg nicht mehr gefunden. Unser Hotelzimmer war zwar teuer, aber sicher nicht das beste im Hause. Es lag ebenerdig und ich glaube es hatte nicht einmal ein Fenster.

Mittwoch, den 20.08.1980

Kreidlertreff Gießen Früh morgens sind wir, bei herrlichem Sonnenschein und um die 30°C, auf die höchste Düne Europas Dune du Pilatï gestiegen. Dann die Düne überquert und voller Freude in den Atlantischen Ozean gesprungen.
Wir haben uns an diesem Tag einen schönen Sonnenbrand geholt. Es gibt dort Sand wie in der Wüste und es war sehr heiß. Wir haben den ganzen Tag dort verbracht.

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In Biskarosse im Supermarkt haben wir unser Mittagessen gekauft und auf dem Gehsteig gegessen. Aber auch an Zuhause gedacht und verschiedene Karten geschrieben. Peter musste noch eine neue Tachowelle einbauen.
Dann Weiterfahrt nach Biscarosse-Plage und dort Große Atlantikwellen gebrochen. Um ca. 21.30 Uhr Zeltplatz gesucht. Diese waren aber schon alle geschlossen. für uns war das kein Problem wir fuhren in den nächsten Wald, packten unsere Schlafsäcke aus und begaben uns zur wohlverdienten Nachtruhe.

Donnerstag, den 21.08.1980

Kreidlertreff Gießen Am Morgen aufgewacht, Schlafsäcke eingepackt und wieder in den tosenden Atlantik, genauer in den Golf von Biskaya, einige Wellen brechen. Das Wellenbaden war überhaupt eine tolle Sache. Die Strände an denen wir waren fielen flach ins Meer ab, so das wir schon sicher über hundert Meter ins Meer gegangen waren und das Wasser uns höchstens bis zur Häfte reichte. Dann kamen sie. schön regelmäßig eine nach der anderen. Meterhohe Wellen, die uns packten, uns zu Boden, in den feinen Sandstrand warfen und schließlich über uns hinüber rollten. Es war herrlich, diese Naturgewalt am eigenen Körper zu erfahren. Danach ging es zum Morgenessen. Später schmissen wir uns in Schale und fuhren weiter nach Bayonne-Biarritz. Dort eroberten wir uns einen Zeltplatz. Auf dem Zeltplatz hatten wir einige Einliterflaschen Bier aufgetrieben, die wir uns am Abend genehmigten.
Das Wetter war bis dato immer einwandfrei kein einziges mal Regen.

Freitag, den 22.08.1980

Kreidlertreff Gießen Morgens aufgestanden, aus dem Zelt raus, dann hatte es Nebel. Wir deswegen sofort zusammengepackt und einen Blitzstart Richtung Spanien hingelegt. Am Zoll haben ausreichend Pesetas geholt und sind weitergefahren nach Le-Saka.
Zwischen Le-Saka und Umgaire-de-Oronotz bekam ich einen Platten am Hinterrad meiner Maschine.

Wir waren in den Ausläufern der Pyrenäen. Die Gegend war ähnlich wie der Schwarzwald, gebirgig und sehr bewaldet.

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Kreidlertreff Gießen Nach 3 Stündigem erbarmungslosen Kampf mit 3 Schläuchen und 4 Flicken konnten wir als Sieger die Fahrt nach Pamplona fortsetzen. In Pamplona war eine unbändige Hitze und großer Gestank. Von Pamplona an war kein Wald mehr zu sehen. Die Landschaft war immer noch gebirgig aber sehr trocken. Im Grunde genommen eine einzige Steinwüste. Göög hat alle versägt.

Kreidlertreff Gießen Dann ging es weiter nach Signes. Dort haben wir einen Lastwagen und einen Bus trotz Überholverbot überholt. Dabei wurden wir von zwei spanischen Polizisten auf Motorrädern erwischt. Die Polizisten und ihre Maschinen erinnerten stark an amerikanische Highway Polizisten auf ihren fahrenden Sofas. Uns ging natürlich mächtig die Muffe und wir sahen uns schon in einem miesen, kleinen Gefängnis mitten in Spanien unseren restlichen Urlaub verbringen. Die Polizisten nahmen uns natürlich zuerst alle Papiere ab. Dann wollten sie von jedem Quattro-Mille Strafe. Als wir ausrechneten, dass quattro Mille Peseten etwa 125,- DM waren, saß der Schock tief. Georg ging dann in die Offensive und redete ununterbrochen auf die Polizisten ein. Espania nix gut, Franco nix gut, nie wieder Espania und so weiter und so weiter. Das ununterbrochene Redeschwall amüsierte die Polizisten mehr, als dass er Eindruck machte. Egal. Die Polizisten gaben uns ein Zeichen ihnen zu folgen. Eskortiert von den beiden, der eine vorne, der andere hinten und wir drei in der Mitte fuhren etwa 10 km zur nächsten kleineren Ortschaft. Während der Fahrt ließen es wir uns natürlich nicht nehmen, den Polizisten zu zeigen, dass unsere Kreidler durchaus mit ihren Maschinen mithalten konnten und so fuhren wir sehr dicht auf den vorderen Polizisten auf. In der Ortschaft bekamen wir dann erst wieder eine Belehrung, auf spanisch natürlich, dass wir nicht so dicht auffahren dürfen. Kopfschüttelnd ging dann einer der Polizisten in ein Gebäude. Als er wieder zurückkam wollte er nur noch quattro Mille Peseten von allen zusammen. Wir gaben ihnen das Geld, bekamen unsere Papiere dafür wieder und machten uns fluchend aus dem Staub. Ich glaube wir hatten nicht einmal eine Quittung für das Geld erhalten. Wahrscheinlich machten sich die Beiden einen gemütlichen Abend auf unsere Kosten.
Gegen 17.30 Uhr waren wir dann in Huesca und es war immer noch sehr heiß und großer Gestank

Kreidlertreff Gießen Deswegen ließen wir uns nicht aufhalten und es ging weiter nach Barbastro. Inzwischen war es Dunkel geworden. Aber wir ließen uns durch nichts mehr aufhalten. Auch nicht durch riesige Mückenschwärme. Als wir in diese hineinfuhren waren unsere Helmvisiere in Sekundenschnelle total verschmiert, so das wir nichts mehr sehen konnten und anhalten mussten. Irgendwie kamen wir dann nach Lerida. Dort angelangt waren wir total KO, fuhren aber trotzdem weiter nach Barcelona. Ankunft dort um ca. 23.30Uhr. Um die Uhrzeit war das Leben in Barcelona noch in vollem Gange. Die Gartenbistros waren ebenso voll wie die Straßen. Im Straßenverkehr mussten wir uns erst an die hiesigen Gepflogenheiten gewöhnen. Die Spanier fahren noch verrückter als die Franzosen. Bei Rot an einer Ampel zu Beispiel, fangen die Autofahrer hinter dir plötzlich wie verrückt an zu Hupen. Das war dann das Signal, trotz rot über die Kreuzung zu Fahren. Die Einheimischen wussten immer einige Sekunden im voraus schon wann die Ampel auf grün geht.

Kreidlertreff Gießen Wir wollten an den Strand um dort zu schlafen. Es war aber wie verhext, wir fanden den Strand einfach nicht. Einmal sind wir in eine Straße hineingefahren und plötzlich standen da Soldaten mit Maschinenpistolen im Anschlag. Nichts wie weg dachten wir da nur. Insgesamt sind wir wohl 3 Stunden in Barcelona herumgeirrt bis wir dann um ca. 2.30Uhr einen Wegweiser mit France entdeckten und wir diesem auf die Autobahn folgten. Auf der Autobahn fuhren wir dann Richtung Perpignan.

Kreidlertreff Gießen Wir waren nun schon sehr lange auf unseren Maschinen. Das Hinterteil machte sich schon stark bemerkbar, was durch ein dauerndes Hin- und Her rutschen auf unseren Satteln zu erkennen war. Aber wir ließen uns nicht aufhalten und fuhren und fuhren. Ab und an war die Übermüdung so stark, das wir während der Fahrt für ganz kurze Zeit, einige Millisekunden, einschliefen und uns dann auf der linken Straßenseite wiederfanden. Unvernunft hoch drei!!
Um 5.00 Uhr sind wir an einer Autobahn-Raststätte in Frankreich angekommen.

Samstag, den 23.08.1980

Kreidlertreff Gießen An der Raststätte haben wir unsere restlichen Peseten gewechselt. Mit den wenigen Francs verpflegten wir uns dann erst einmal. Natürlich wieder mitten auf dem Asphalt. Nach der Stärkung sind wir nach Cannet-Plage gefahren, ans Mittelmeer. Dort angekommen ließen es sich Georg und Peter nicht nehmen sofort in das kühle Nass zu springen, Andy war derweil zusammengebrochen und anschließend auch Georg (wie Andy) nur Peter hielt den Strapazen der mehrständigen Fahrt durch und fotografierte beide.
Nach vier bis fünf Stunden Ruhepause begaben wir uns nach Perpignan zum Einkaufsbummel. Dort haben wir dann einen Schweizer getroffen.
Um 11.00 Uhr wurde das Zelt wild aufgebaut und über Mittags die unbedingt notwendige Maschinenpflege durchgeführt.
Vorgenommen wurde zum Beispiel Ketten fetten und Getriebeöl nachfällen.
Wir haben wieder einige Ansichtskarten geschrieben und zu Hause angerufen und den restlichen Tag von der Mega-Tour erholt. Andy und Peter haben dabei jeweils 9 Dosen Bier 0,33ltr. Bier gesoffen.

Sonntag den 24.08.1980

Kreidlertreff Gießen In Canet-Plage haben wir gebadet, gesonnt und gefaulenzt. Auf unserem Zeltplatz zurückgekommen mussten wir feststellen, das sich mehrere Zelte und Wohnwagen auf unserem wilden Campingplatz eingefunden hatten.

Montag den 25.08.1980

Kreidlertreff Gießen Am Montagmorgen sind wir von der Polizei geweckt und des Feldes verwiesen worden.
Wild entschlossen fuhren wir weiter nach Bandol. Auf Bandol kamen wir, weil dieses Städtchen die Partnerstadt von Wehr, einer Nachbargemeinde ist.
Um ca. 10.00Uhr hat es dann angefangen zu Schiffen, dadurch hat Peters Zündung schlapp gemacht. Aber er konnte sich zum Glück selber weiterhelfen denn nur der Zündkerzenstecker hatte Wasser geschluckt.

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Kreidlertreff Gießen Als die Maschine wieder lief fuhren wir weiter nach Montpellier. Kurz vorher ließen wir uns wieder wie gewohnt auf einem Autobahnparkplatz nieder "sehr Großes Gefresse und gelavere" danach weiterfahrt von Mines nach Arles.
Bei der Überquerung der Rhone hat Andy unseren Gaskocher (Ballast) abgeworfen. Georg hat unter Todesverachtung diesen vor den alles zerstörenden LKW-Rädern gerettet.
Auf der Weiterfahrt nach Marseille wurde Peters Tank lehr, konnte aber mit ½ ltr. Ersatz weiterfahren bis zur nächsten Tankstelle. Dort wurde Vollgetankt.

Anschließend ging die Fahrt weiter nach Bandol. In Bandol sind wir um 20.30Uhr angekommen und begaben uns sofort auf einen Zeltplatz.
Dort bauten wir das Zelt auf und luden die Maschinen ab. Anschließend gingen wir in die Zeltplatzwirtschaft und haben noch etwas gesoffen. Ziemlich fertig von den 350-380 km Tagesleistung fielen wir ins Bett (Schlafsack).

Dienstag, den 26.08.80

Kreidlertreff Gießen Dienstag morgen haben wir auf dem Markt von Bandol eingekauft . Dann Mittaggekocht, gegessen, auf Zeltplatz gefaulenzt und gelesen. Peter hat in Bandol am Strand gebadet und sich gesonnt.

Drei Stunden später sind wir zusammen nochmals hinunter nach Bandol gefahren. Bandol ist ein kleines malerisches Küstenstädtchen, wie sie an der Cote D`Azzur sehr häufig zu finden sind. Am Hafenkai sahen wir einen fahrenden Pizzabäcker, der dort seine Ware anbot. Kurzerhand entschlossen wir uns eine Pizza zu essen. Wohlgemerkt nur eine, da unsere Reisekasse, unter anderem durch spanische Wegelagerer, arg zusammengeschrumpft war. Nach langem Warten war die Pizza endlich fertig und wir machten uns daran, den runden "Kuchen" zu dritteln. Nach fast zwei Wochen war dies die erste vernünftige Nahrung. Ich weis noch genau wie sensationell gut mein Pizzadrittel geschmeckt hat. Die beste Pizza meines Lebens, es war der kulinarische Höhepunkt unserer Reise. Nach dem Festmahl sind wir zurück auf den Zeltplatz gefahren. Abends in Campingplatz-Restaurant hielten wir wieder ein Saufgelage bis um Mitternacht der Wirt die Kneipe dicht gemacht hat.

Mittwoch, den 27.08.1980

Kreidlertreff Gießen Mittwoch war sehr schlechtes Wetter. An der Cote D Azzur regnet es im Sommer selten, aber wenn es einmal regnet, dann aber richtig und stundenlang. In Todesverachtung mussten wir aus unserem überfluteten Zelt hinaus um einen Graben um unser Zelt zu ziehen. Im Zelt haben wir dann den ganzen Tag Jass gespielt, abends dann Abschluss gefeiert bis um 23.30Uhr. Pennen mussten wir in einer Hütte auf einem Campingplatz, weil unser Zelt unter Wasser stand.

Donnerstag, den 28.08.1980

Kreidlertreff Gießen Früh am morgen das nasse Zelt abgebrochen und mit der gesamten Ausrüstung eingepackt. Nach dem wir wir noch die Kriegsschiffe im Hafen von Toulon besichtigt hatten, wurde der Heimweg angetreten.
Von Toulon nach Aubagne bis nach Aix-en-Provinze haben wir dann die Autobahn genommen.
Auf der Landstraße fuhren wir von Peyrois nach Manosque. Bei Pertisis habe ich dann die Brücke über die Dourance Photografiert.
Dann Weiterfahrt nach Chteau-Arnoix hier stellten wir mit Entsetzen fest dass das Hinterrad von Peter sich verabschiedete. Es waren lediglich noch 22 von 36 Speichen übrig die eine Weiterfahrt in Frage stellten. Durch den Verlust der Speichen bekam das Hinterrad von Peters Kreidler einen fürchterlichen Achter. Mit der Zeit fing dann das Hinterrad auch noch an zu hüpfen. Georg und ich mussten öfters lachen als wir neben Peter fuhren, der wie ein Cowboy beim Rodeo durchgeschüttelt wurde. Peter war stocksauer. Ich glaube am liebsten hätte er seine hinkende Berta in irgend einem Canyon versenkt.
Nachdem wir die letzten 3 Ersatzspeichen eingebaut hatten und das Gepäck auf die anderen Maschinen verteilt hatten, telefonierten wir mit unserem Bruder Robert der im Falle einer größeren Panne seine Dienste als Nachschubfahrer angeboten hatte. Nach kurzer Besprechung der Sachlage verblieben wir folgendermaßen. Wir werden fahren bis zum letzten Hauch der letzten Speiche. Es lagen noch etwa 450 km Heimweg vor uns, der zunächst nach Sisteron führte, dann nach Laragne und nach Montegein.
Alle 20 km zog Peter seine letzten Speichen nach. Aus seinem Vorderrad bauten wir Ersatzspeichen aus die wir in sein Hinterrad einbauten. Nun ging die Fahrt weiter nach Clelles-Monestier de C-Vif-LePont-de-Claix bis nach Grenobel. Dann begaben wir uns wieder auf die Autobahn nach Chambery. Dann folgte Aix-Les-Bains und Annecy .
Weiter auf der Autobahn nach Genf. Inzwischen war es schon zwei Stunden Dunkel.
Bei Genf über den Zoll, der das eiernde Hinterrad nicht bemerkt hatte!
Anschließend haben wir Geld gewechselt und ein Nachtquartier gesucht. Beim Einrichten des Nachtlagers  (hinter der Hecke eines Autobahnparkplatzes ca. 30km vor Lousanne) mussten wir noch einige pinkelnde deutsche Touristen vertreiben, die bei unserem Anblick in Panik ausbrachen und das Weite suchten. Um 2 Uhr konnten wir endlich eine Mütze Schlaf zu uns nehmen.

Freitag, den 29.08.1980

Kreidlertreff Gießen Morgens um 7.00 Uhr Weiterfahrt Richtung Lousanne. Georg hat einen Laden aufgesucht und zum Frühstück Ostereier eingekauft, die trotz des abgelaufenen Verfalldatums keinerlei Beschwerden hervorriefen.
Die Suche nach Speichen in den KREIDLER Vertretungen war Erfolglos. Die Weiterfahrt in Richtung Bern war begleitet von einer Odyssee durch das Einbahnstraßen Gewirr von Lousanne. Bei der Einfahrt in eine Raststätte etwa 30km vor Bern hat sich der Schlauch von Peters Hinterrad verabschiedet. Um ca. 11Uhr telefonierten wir mit unserem Notfalldienst (Robert) der ein Ersatzrad aufschnallte, seine Freundin abholte und in Richtung Bern losfuhr.
In der Zwischenzeit versuchte Georg eine Dose Gulasch zu wärmen, die aber wegen der Wespen die seine Kochkünste immer penetranter in Augenschein nahmen auf der Straße landete. Durch den zwischenzeitlichen Geldmangel sammelte er das Gulasch mit Hilfe eines Papiertuches auf und ging in den Laden wo er es gekauft hatte und tauschte es unter Protest um, da das eingearbeitete Küchentuch wie eine schleimige Einlage aussah.
Als Robert dann um ca. 15Uhr eintraf hatten wir im Umkreis von 10m unser Lager eingerichtet. Nur an den Kennzeichen unserer Kreidler konnte er uns erkennen da unser äußeres in den vergangenen 2 Wochen sich sehr stark verändert hatte.
Die letzten Kilometer bis Basel waren nur noch ein Spaziergang, bei dem Georg mit seiner RS Baujahr 1969 wieder einmal der schnellste war. Die besten Geschwindigkeiten erzielten wir in Tunnels und hinter Großen Lastwagen die einen hervorragenden Windschatten boten. Mit Spitzengeschwindigkeiten bis 110km/h vollbepackt und mit Hochlenker hatten wir das Gefühl wir hätten Flügel.
Der Zoll in Grenzach-Wyhlen wollte Georg wegen seines äußeren nicht mehr einreisen lassen, konnten aber keine technischen Beanstandungen finden und mussten ob Sie wollten oder nicht ihn passieren lassen.
Der Empfang Zuhause war wechselhaft die einen empfingen uns mit Bewunderung, die anderen mit Neid und einige mit Großen gefüllten Badewannen. Der Abschlusstrunk wurde in unserer Stammkneipe bis morgens um halb 2Uhr eingenommen. Die gute Salami aus Frankreich die eigentlich als Andenken gedacht war und bei Georg oben auf dem Gepäck angebunden war hatte am Morgen die Katze gefressen.

Georg Metzger, Januar 2010