Friedel

Kreidlertreff Gießen

Kreidlertreff Gießen Friedel Liedhegener ist kein Mitglied bei uns. Er besucht uns ab und an und man trifft Ihn bei verschiedenen Veranstaltungen. Er macht mit seinen alten Kreidler Mopeds lange Touren. Er schreibt schöne Geschichten von diesen Touren. Er hat uns erlaubt sie hier zu veröffentlichen. Also, viel Spaß damit!

Kreidlertreff Gießen Herbstjournal
Kreidlertreff Gießen Kraftzuwachs !
Kreidlertreff Gießen Wohl dem, der eine Quickly hat
Kreidlertreff Gießen Die Sieben Seen-Sause
Kreidlertreff Gießen Tour mit einer Aristokratin
Kreidlertreff Gießen Eine Kreidler K 50 und eine wilde Amazone
Kreidlertreff Gießen Alpenüberquerung
Kreidlertreff Gießen East meets West :)
Kreidlertreff Gießen Und Sie kann es Doch ! Alpentour mit einer Quickly
Kreidlertreff Gießen Die Maschinen meiner Söhne (Teil 1, Kinderzeit)
Kreidlertreff Gießen Die Maschinen meiner Söhne (Teil 2, Jugendzeit)
Kreidlertreff Gießen Reifeprüfung oder Härtetest? Kreidler- Alpentour
Kreidlertreff Gießen Wie alles begann "Eine Zeitreise in die frühen 60er Jahre"
Kreidlertreff Gießen Alpenüberquerung mit der Kreidler Amazone
Kreidlertreff Gießen Mit der Quickly durch Luxemburg, Flandern und Holland
Kreidlertreff Gießen Mit einer Kreidler Florett über die Alpen
Kreidlertreff Gießen Mit der 59er Florett nach Venedig
Kreidlertreff Gießen Brüderchen und Schwesterchen (Vergleich Amazone mit Florett)

Kreidlertreff Gießen  Hier schreibt Friedel

ICH über MICH (...UND über KREIDLER-TOUREN)

oder: Warum solche Touren mit uralten Mopeds ?

Um eine kurze Antwort auf die mir oft gestellte Frage zu geben:

Es ist ein (einfacher!) Weg zum Glücklich sein.

Angeregt durch einen interessanten Abend ,den ich vor nicht allzu langer Zeit im Gespräch mit dem bekannten Abenteurer Arved Fuchs (u.a. Antarktisüberquerung mit R. Messner 1989) verbracht habe, möchte ich an dieser Stelle für jeden, den es interessiert, versuchen, diese Frage beantworten.

Ich fragte ihn damals: Was ist das faszinierende an einer so beschwerlichen und gefährlichen Expedition und was erzeugt den Wunsch, so etwas auch noch zu wiederholen?

(Er hatte mir nämlich erzählt, wie leidvoll eine solche Tour in Wirklichkeit ist.)

Es fiel ihm sichtlich schwer, diese Frage zu beantworten, denn kein normaler Mensch würde um den Preis solcher Strapazen derart lebensbedrohliche Abenteuer auf sich nehmen.

Ich hatte bei seinen Ausführungen zunehmend den Eindruck, dass er mir eigentlich auch nicht zutraute, ihn zu verstehen!

Als ich dann von meinen Alleingängen mit den alten Kreidler Maschinen zu erzählen begann, änderte sich das sofort. Keine Frage wir waren plötzlich (auf zugegeben sehr unterschiedlichem Niveau !) artverwandt. Unsere Beweggründe waren sich mehr als ähnlich!

Was uns verbindet, ist oberflächlich betrachtet, der Wunsch nach einem Abenteuer.   (Gut, er übernimmt außerdem Forschungsaufgaben, u.a. zum Thema Klimawandel. Er selbst bezeichnet sich auch als Abenteurer und nicht als Entdecker!)

Letztlich liegen die wahren Gründe aber doch etwas tiefer.

Da ich hier ja nur von mir und über mich sprechen kann, will ich die wichtigsten Bewegründe (hier passt das Wort mal) nennen.

Zum ersten ist es für einen Mann, der im Arbeitsleben steht, eine einzigartige Möglichkeit endlich mal über die eigene ZEIT selbst zu bestimmen. Wann kann man das schon? Unser ganzes Leben lang ist der Großteil unserer Zeit fremdstrukturiert. Vom Kindergarten bis in die Rentenzeit, nur Bruchteile unserer Zeit stehen uns frei zur Verfügung! Hier kann ich, da ohne eigentliches Ziel unterwegs, entweder einfach fahren, fahren, fahren,  oder pausieren und mit anderen Motorradfahrern plaudern, vielleicht einen Tag bleiben oder das Ziel neu bestimmen. (Es geht mir im Grunde doch nicht darum, irgendwo anzukommen dort war ich früher meist schon !)

Zweitens besteht die Freude in der FREIHEIT, ganz ohne Diskussion und Absprache einfach das zu tun (oder zu lassen!),was ich will. Zum Beispiel könnte ich oben auf dem Stilfser Joch die - völlig abwegige - Entscheidung treffen, nach, sagen wir mal Holland zu fahren und nicht nach Italien.(Das würde bei einem mitreisenden Freund wahrscheinlich zu erheblichen Zweifeln an meiner geistigen Gesundheit führen). Allein die Vorstellung so etwas einfach tun zu können, ist bereits ein Vergnügen.

Ich will nicht verschweigen, dass auch ein kleiner Nervenkitzel mitspielt. Was tun, wenn wirklich unterwegs eine Panne eintritt? Natürlich befinden sich die Maschinen in gut gepflegtem Zustand. Ich betrachte sie mehr als Partner denn als Diener und sie scheinen mir Aufmerksamkeit und Pflege mit ihrer Zuverlässigkeit zu belohnen....

Andererseits bin ich, da ganz alleine unterwegs, sehr ausgesetzt.(Wetter, Panne, Unterkunft, Gesundheit, Unfall....)

Man muss nicht unbedingt  in die Mongolei fahren, um dieses Gefühl zu erleben! Die Alpen/ Appeninen bei schlechtem Wetter und bei Dunkelheit reichen da schon aus.

Was hilft ist aber das gute Gefühl: Wenn jetzt etwas Unverhofftes eintreten sollte (von einem Unfall mal abgesehen), wüsste ich mir zu helfen. Das mitgeführte Werkzeug und solide Sachkenntnis sind eine gute Versicherung! (Es gibt aber auch einen kuriosen Nachteil: Da ich die Innenteile des Motors gut kenne, sehe ich diese während der Fahrt oft bildlich vor mir. Jedes sich einstellende neue Geräusch lenkt mich sofort von der schönen Umgebung ab und stört die Meditation der Fahrt. Ich kann das leider nicht abstellen.)

Apropos Fahrt. Gelegentlich fahre ich Touren mit einer `78 er Honda CB 400 four. Das ist nicht zu vergleichen mit einer Mopedtour! Auf der Honda gleitet die Landschaft einfach vorbei; ich bin  hauptsächlich mit dem Fahren selbst beschäftigt; genieße die filigrane Technik und die  Dynamik dieser schönen Maschine.

Ganz anders auf dem Moped:  Da schraube ich mich im ersten Gang einen Pass hinauf. Helm ab, Brille runter, das braucht man nicht dabei. Motorradfahrer überholen mich in äußerster Schräglage, heben anerkennend den Daumen und rücken aber oben auf der Passhöhe doch von mir ab, als ob ich ihr armer Verwandter wäre.(Schmälere  ich ihnen den Ruhm, da oben angekommen zu sein?)

Natürlich genieße ich auch das Interesse des Publikums. Fast bei jedem Halt kommt es zu interessanten Gesprächen mit lächelnden, staunenden oder auch kopfschüttelnden Menschen. Und seien es nur alte Knaben in meinem Alter, die sich an ihre Jugendzeit erinnert fühlen...

2011 habe ich meine zehnte Tour gemacht. 2012 werde ich 68 Jahre alt. So ganz lange werde ich das nicht mehr machen können. Was aber bleiben wird, ist das gute Gefühl, es gemacht zu haben.

Und wenn ich nur eins mit ins Altersheim nehmen dürfte: Die `59 er Florett!

Resümee:

Eine Kreidler hat einen Instrumentalwert und einen Eigenwert. Das habe ich erst vor zehn Jahren verstanden. Man sollte sie nicht auf letzteren reduzieren. Was ist beglückend daran, sie in einem Museum zu betrachten?

Ich wünsche viel Vergnügen beim Lesen der Berichte! Und beim Kreidler fahren.

Dezember 2011

Friedel Liedhegener